Elternschaft nach sexualisierter Gewalt: Ein Forschungsteam gibt Betroffenen eine Stimme

Was bedeutet es für Menschen, die in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren haben, später selbst Eltern zu werden? Diese Frage stand im Zentrum eines neuen Forschungsprojekts, das nun eine umfangreiche Studie veröffentlicht hat. Über 600 betroffene Personen haben daran teilgenommen und wertvolle Einblicke gegeben.

Elternwerden mit eigener Gewalterfahrung – eine besondere Herausforderung

Viele Überlebende setzen sich intensiv mit der Entscheidung für oder gegen eigene Kinder auseinander. Einerseits gibt es den tiefen Wunsch nach einer liebevollen, schützenden Elternschaft. Andererseits bestehen oft Ängste, dass die eigenen traumatischen Erfahrungen die Beziehung zum Kind beeinflussen könnten. Manche Betroffene entscheiden sich bewusst gegen eigene Kinder, weil sie befürchten, die emotionalen und körperlichen Anforderungen nicht bewältigen zu können.

Sorgen, Ängste und besondere Kompetenzen

Eltern, die selbst sexualisierte Gewalt erfahren haben, stehen vor Herausforderungen, die andere Eltern oft nicht in dieser Form kennen. Zum Beispiel die Frage: Wann und wie spreche ich mit meinem Kind über meine Erfahrungen? Oder: Wie kann ich mein Kind bestmöglich vor Missbrauch schützen, ohne es zu überängstlichen?

Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass viele betroffene Eltern besondere Stärken mitbringen. Ihre eigene Vergangenheit macht sie oft sensibler für die Bedürfnisse ihrer Kinder. Sie setzen sich bewusst mit Erziehungsfragen auseinander und reflektieren ihre eigenen Muster, um ihren Kindern ein sicheres Umfeld zu bieten.

Unterstützung für betroffene Eltern

Das Forschungsprojekt hat konkrete Empfehlungen erarbeitet, um betroffenen Eltern besser zu helfen. Dazu gehören unter anderem:

  • Bessere Informationsangebote in Elternkursen und Beratungsstellen
  • Sensibilisierung von Fachkräften in Sozialer Arbeit und Pädagogik
  • Stärkere Vernetzung und Austauschmöglichkeiten, zum Beispiel durch Selbsthilfegruppen

Es braucht keine völlig neuen Angebote, sondern vielmehr eine stärkere Berücksichtigung der spezifischen Herausforderungen betroffener Eltern in bestehenden Unterstützungsstrukturen.

Ein wichtiger Beitrag zum Kinderschutz

Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass Überlebende sexualisierter Gewalt nicht nur mit Ängsten kämpfen, sondern auch wertvolle Ressourcen mitbringen. Ihnen zuzuhören, sie ernst zu nehmen und gezielt zu unterstützen, bedeutet aktiven Kinderschutz – nicht nur für ihre eigenen Kinder, sondern für die Gesellschaft insgesamt.

Weitere Informationen sowie die vollständige Studie sind online verfügbar unter: „Elternschaft nach sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend“.

https://spielverderber.net

Ich bin Gründer von Spielverderber und selbst Betroffener von sexualisierter Gewalt in der der Kindheit. Mit meinem Podcast, meinen Texten und Auftritten möchte ich das Sprechen über sexualisierte Gewalt in Kindheit normalisieren, Informationen teilen und mich mit anderen Betroffenen verbünden.


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